Neue und modernste Zubereitungsanlage für Chemo-Medikamente

Die Anzahl der Chemotherapien hat sich am Krankenhaus Braunau in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdreifacht. Die dazu benötigten Medikamente, sogenannte Zytostatika, werden in der Spitalsapotheke jetzt in einem neuen, höchst keimfreien Herstellungsbereich produziert. In diesen Bereich auf modernstem technischen Stand investierte das Krankenhaus rund eine Million Euro. 

„Wichtig ist bei den Zytostatika die aseptische, also keimfreie Zubereitung. Diese unterliegt strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Es muss bei der Zubereitung noch reiner sein als in einem Operationssaal“, erklärt die diplomierte Chemikerin und Apothekerin Astrid Kaulbach, Leiterin der Apotheke am Krankenhaus Braunau. „Alles, was Partikel abgibt, muss vermieden werden. Wir ziehen uns in der Schleuse komplett um und dürfen dann nur mit der Reinraumkleidung zur Werkbank. Schmuck muss abgelegt werden, auch Schminke ist nicht erlaubt. Die Werkbank selbst, in der die Zytostatika zubereitet werden, ist mit einer Luftströmung versehen, mit der die Luft nochmals hochgereinigt wird und damit praktisch partikelfrei ist. Partikel, Temperatur, Druck und Feuchtigkeit werden im Reinraum permanent gemessen und kontrolliert.“

„Wir haben in Braunau alles am neuesten Stand“

Am Krankenhaus Braunau hat die Anzahl der Chemotherapien stark zugenommen. Pro Jahr werden derzeit rund 3.500 Chemotherapien durchgeführt, vor zehn Jahren waren es 1.200. „Alle Patientinnen und Patienten können sich bei uns absolut sicher fühlen. Wir haben in Braunau alles am neuesten Stand“, betont Astrid Kaulbach. „Bei uns arbeiten hochausgebildete Ärztinnen und Ärzte, die nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen Therapien festlegen und umsetzen. Die Medikamente werden bei uns in der modernsten Zytostatika-Zubereitung hoch-aseptisch hergestellt.“ Als Herstellungsleiterin bei den Zytostatika arbeitet Franziska Ockert-Schön. Die Fachapothekerin war unter den ersten acht Pharmazeutinnen und Pharmazeuten in Europa mit der Zusatzausbildung „European Oncology Pharmacist“.

Tumorboard gewährleistet höchste Expertise bei Krebs

Bei Krebserkrankungen werden im Krankenhaus Braunau alle Diagnosen und Therapien nicht aufgrund einer einzelnen Meinung erstellt, sondern in einem gemeinsamen Tumorboard mit dem Klinikum Wels-Grieskirchen festgelegt. In diesem Tumorboard, das einmal wöchentlich zusammenkommt, sitzen Ärztinnen und Ärzte sowie Expertinnen und Experten der verschiedenen Fachrichtungen. „Wir haben uns dadurch in Braunau eine Expertise bei der Behandlung von Krebs aufgebaut“, weiß Prim. Dr. Florian Roitner, Leiter der Inneren Medizin 2 am Krankenhaus Braunau. „Früher sind Krebspatienten meist nach Salzburg gegangen, das hat sich mittlerweile stark verändert. Durch das Tumorboard erreichen wir das hohe Niveau von Zentrumshäusern. Wir können die Patientinnen und Patienten aber regional bei uns behandeln, was für sie natürlich in jeder Hinsicht angenehmer ist.“ Primar Roitner verweist auf einen weiteren Vorteil: „In großen Häusern sehen Patientinnen und Patienten jedes Mal einen anderen Arzt. Bei uns sind es so gut wie immer die gleichen Ärzte, die über den Patienten und dessen Behandlung dann genau Bescheid wissen.“

„Der Krebs macht trotz Corona keine Pause“

In Zusammenhang mit der Corona-Pandemie appelliert der Mediziner an die Bevölkerung: „Bitte gehen sie weiterhin zu den Vorsorgeuntersuchungen. Der Krebs macht trotz Corona keine Pause. Wir hatten noch nie so wenige Darmspiegelungen wie jetzt. Wir werden deshalb in ein paar Jahren mehr fortgeschrittene Krebsdiagnosen haben.“ Am häufigsten werden Brustkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Eierstockkrebs am Krankenhaus Braunau stationär behandelt.

Höchste Sicherheit für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Bei der Zubereitung der Zytostatika muss auch der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders beachtet werden. „Wir legen höchsten Wert auf die Sicherheit unseres Personals“, sagt Astrid Kaulbach. „Wir arbeiten mit hochtoxischen Substanzen und müssen sicherstellen, dass niemand damit unbeabsichtigt in Berührung kommt. Deshalb arbeiten wir mit speziellen Entnahmekanülen, sogenannten Spikes, damit sich keiner bei der Zubereitung stechen kann. In der Apotheke arbeiten viele junge Frauen. Sie würden nicht bei uns arbeiten, wenn es nicht sicher wäre. Deshalb machen wir auch regelmäßige Trainings, zum Beispiel zur fachgerechten Beseitigung verschütteter Zytostatika.“