AKTUELLES
Gelungene Kommunikation bei Geburt und Schwangerschaft –
österreichweite Tagung in St. Josef
Eine große fachliche Anerkennung für die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus St. Josef bedeutete die Abhaltung der 29. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik in Gynäkologie und Geburtshilfe am 18. und 19. November im Braunauer Spital. Thema dieser österreichweiten Veranstaltung war die herausfordernde Kommunikation rund um Schwangerschaft und Geburt. Eltern, Ärztinnen und Ärzte, Hebammen und Psychologinnen sind mit einer immer größer werdenden Palette von schwierigen Fragestellungen konfrontiert. Und damit diese und vielfältige andere Kommunikationsprobleme verhindert werden können, haben international und national hochkarätige Referentinnen und Referenten in Vorträgen, interaktiven Vorlesungen und Workshops positive Kommunikationsstrategien aufgezeigt. Hauptthemenbereiche waren Kommunikation zwischen Idealisierung und Dramatisierung bei der normal verlaufenden Schwangerschaft, Kommunikation zwischen Angst und Zuversicht bei Risikoschwangerschaft, in der Pränatalmedizin, bei Sprachbarrieren, bei Stress und bei psychischen Krisensituationen der Frau.
Abteilungsvorstand der Braunauer Gynäkologie und Geburtshilfe Prim. Dr. Gottfried Hasenöhrl eröffnete die Tagung und meinte: „Moderne Geburtshilfe stellt Betreuende und Patientinnen vor neue und zunehmend komplexer werdende Aufgaben und oft schwierige Entscheidungen. Diese Fragestellungen für alle Beteiligten sinnvoll zu kommunizieren stellt in der täglichen Praxis immer wieder eine Herausforderung dar. Der Patientin und ihrem Umfeld mit den individuellen Geschichten, Erfahrungen und manchmal auch Traumata positiv und adäquat begegnen zu können, ist Ziel der Tagung.“
Er konnte die Präsidentinnen der Österreichischen und Deutschen Gesellschaft für Psychosomatik in Gynäkologie und Geburtshilfe, Univ.-Prof. DDr. Mag. Barbara Maier und PD Dr. med. Martina Rauchfuß, begrüßen. Grußworte entrichteten Braunaus Bürgermeister Waidbacher und die Generaloberin der Franziskanerinnen Sr. Kunigunde Dr. Fürst.
In ihrem einleitenden Festvortrag „Kreißsaaldialoge“ zeigten Prof. Barbara Maier und Dr. med. Wolf Lütje verschiedenste Aspekte gelungener und misslungener Kommunikation im Kreißsaal. Psychosomatik bei der Geburt, so Lütje, ist dabei die Fähigkeit zuzuhören, zu sprechen, zu verstehen und die Biografie als die Geschichte der Frau zu begreifen. Gefühle sind nicht bloß Gefühle, sie haben immer auch eine Bedeutung, sie sind somit höchst entscheidungsrelevant. Kreißsaaldialoge sind Dialoge zwischen Physiologie und Pathologie, die Übergänge können nur gemeistert werden, wenn die Kommunikation gelingt. Entscheidend wichtig ist dabei der gelungene ärztlich-hebammerische Dialog. Bei der Geburt gibt es heute einen Paradigmenwechsel: Es ist ein Spagat zwischen Kontrolle und Natürlichkeit, Sicherheit und individueller Freiheit, Natur und Technik. Im Mittelpunkt muss aber immer die individuelle Situation der Gebärenden stehen.
In weiteren Referaten wurde die Psychosomatik rund um Schwangerschaft und Geburt aus verschiedenen Blickwinkeln behandelt. So befasste sich Dr. Gerlinde Akmanlar-Hirscher in ihrem Vortrag „Kommunikation zwischen Idealisierung und Dramatisierung – Betreuung der normalen Schwangerschaft“ mit Kommunikation im Praxisalltag. Sie nannte dabei zahlreiche Formen des Alltagsdialogs und betonte, wie wichtig Struktur und das richtige Timing im Umgang mit schwangeren Frauen ist: „Die Anamnese ist ein ganz wichtiger und wesentlicher Faktor und gerade in den ersten Wochen der Schwangerschaft besteht ein vermehrtes Kommunikationsbedürfnis, deshalb Gespräche, aber auch Aufklärungs- und Informationsmaterial zur rechten Zeit.“ Zudem gab sie praktische Tipps. „Nutzen Sie Chance, über Medien zu kommunizieren“, rät die Ärztin. Nicht nur die Homepage solle die Patientinnen ansprechen, auch die Gestaltung der Praxis. Ein zusätzliches Kommunikationsmittel sei das Bildmaterial wie Ultraschall, Organscreening, Doppler, usw. – für den Arzt zum Untersuchungszweck, für die werdenden Eltern eine Form der Kontaktaufnahme mit ihrem ungeborenen Kind. Außerdem ging die Ärztin auf interkulturelle Kommunikation, aber auch dem Umgang mit Risikoschwangerschaften ein.
Dr. Katharina Schuchter referierte zum Thema „Kommunikation zwischen Zuversicht und Angst, Betreuung der Risikoschwangerschaft“. „Jede Schwangerschaft kann jederzeit zu einer Risikoschwangerschaft werden“, betonte sie. Sie zitierte den Psychologen Carl Rogers in Bezug auf Empathie, Echtheit oder positiver Wertschätzung, zählte Vor- und Nachteile in der Pränataldiagnostik auf und gab Tipps für Aufklärung und Handlungsweise bei Komplikationen in der Schwangerschaft.
TagungsreferentInnen
Gerlinde Akmanlar-Hirscher
Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, IBCLC, Wahlärztin in freier Praxis, ÖÄK-Diplom für psychosoz. & psychosomat. Medizin
Wolfgang Arzt
Prim. Dr., Vorstand der Abteilung für Pränatalmedizin an der Landesfrauen- und Kinderklinik in Linz
Gerhard Bogner
Dr. Med., MSc, FA für Gynäkologie und Geburtshilfe leitender Oberarzt Gynäkologie und Geburtshilfe I, Klinikum Wels-Grieskirchen, Pränatalmedizin, gynäkologische Onkologie, Mitglied der europäischen Akademie für Senologie [EAoS]
Christoph Brezinka
Ao Univ.-Prof, Dr. med, FA für Gynäkologie und Geburtshilfe, Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Universitätsklinik Innsbruck, Vorstand der ISUOG, Editorial board u.a. von Ultrasound in Obstetrics and Gynecology, Psychosomatics in Obstetrics and Gynecology
Inge Frech
Dr. med., Ärztin für Allgemeinmedizin, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Systemische Familientherapeutin, Lehrtherapeutin der ÖÄK, Vorstandsmitglied der ÖGPGG
Harald Gründling
Prim. Dr., Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im KH der Barmherzigen Brüder Linz, Arzt für psychosomatische Medizin
Gottfried Hasenöhrl
Prim. Dr., Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im KH St. Josef Braunau, Pränatalmediziner
Gabriele Knappitsch
Dr. med., FÄ für Gynäkologie und Geburtshilfe, Ärztin für Allgemeinmedizin, Sozialarbeiterin, personenzentrierte Psychotherapeutin
Eva Maria Kranvogel-Kowarik
Kreißsaalhebamme am Universitätsklinikum Graz, Lehrhebamme an der Hebammenakademie Salzburg, seit 2005 freiberufliche Hebamme, 2011 Mitarbeit beim Projekt »Willkommen im Leben« zur Betreuung von psychisch erkrankten Müttern mit ihren Babys
Wolf Lütje
Dr. med. , FA für Gynäkologie und Geburtshilfe in Aachen, Vizepräsident der DGPFG
Barbara Maier
Univ.-Prof. DDr. Mag., Oberärztin an der Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Salzburg, Leiterin der Ambulanz für Gynäkologische Endokrinologie und assistierte Reproduktion, Mitglied der Bioethikkommission beim Bundeskanzler, Präsidentin d. ÖGPGG
Gabriele Maierhofer
Mag., Psychologin und Psychotherapeutin, Univ. Inst. für klinische Psychologie, Sonderauftrag für psychosomatische Medizin des Universitätsklinikums LKH Salzburg
Inge Meiringer
Mag., Klinische- und Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin im Krankenhaus St. Josef in Braunau. Arbeitsschwerpunkte u.a.: Störungsbilder wie Ängste, Depressionen, somatoformen Beschwerden, posttraumatischen Belastungsreaktionen; spezielle Beratung für Eltern von Frühgeborenen und Babys
mit Regulationsschwierigkeiten
Renate Mitterhuber
MSc [Sozialpädagogik], freiberufliche Dozentin an Fachhochschulen, freiberufliche Hebamme mit Schwerpunkt ambulante Nachbetreuungen, IBCLC, Körpertherapeutin nach Wilhelm Reich, Trauerbegleiterin, gerichtlich beeidete und zertifizierte Sachverständige [für Geburtshilfe], Mitgründerin des Geburtshauses Nussdorf
Hans Neumann
Dr. med., FA für Gynäkologie und Geburtshilfe in freier Praxis, Arzt für Psychosomatik, Gründungs- und Vorstandsmitglied der ÖGPGG
Monika Rass
Mag., Klinische -und Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin im Krankenhaus St. Josef in Braunau. Arbeitsschwerpunkte u.a.: Störungsbilder wie Ängste, Depressionen, somatoformen Beschwerden, posttraumatischen Belastungsreaktionen; spezielle Beratung für Eltern von Frühgeborenen und Babys
mit Regulationsschwierigkeiten
Martina Rauchfuß
PD Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, OÄ mit Schwerpunkt Psychosomatik an der Medizinischen Klinik der Charité-Universitätsmedizin, Berlin
Katharina Schuchter
Univ.-Doz. Dr. med., FÄ für Gynäkologie und Geburtshilfe, Pränatalmedizinerin, Habilitation zum Thema »Pränatale Diagnostik der Trisomie 21«, Oberärztin am Donauspital in Wien, Forschungsaufenthalt am Kings-College in London, freie Praxis »med4women« in Wien
Peter Schwärzler
Univ.-Doz., Dr. med., FA für Gynäkologie und Geburtshilfe, Abteilungsleiter der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, LKH Feldkirch; Habilitation zum Thema »Fetalmedizin«, Leitung und Betreuung eines Stufe III Zentrums für Fetalmedizin, Betreuung und Management von Hochrisiko-Schwangerschaften
Eva Thurner
Dr. med., Gynäkologin, Ärztin für psychotherapeutische Medizin, Leiterin der psychosomatischen Frauenambulanz, OÄ an der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe Korneuburg
Kerstin Weidner
PD Dr. med. habil., Stellvertretende Klinikdirektorin der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikum Carl-Gustav-Carus Dresden, Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte u.a.: Angst und depressiven Symptomen in der Schwangerschaft, Psychosoziale Risikofaktoren und salutogenetische Mechanismen für den Schwangerschafts- und Geburtsverlauf
Anna Wenger
Mag., Klinische -und Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin, Universitätsinstitut für Klinische Psychologie und Universitätsklinik für Anästhesie, Schmerzambulanz, Salzburg
Beate Wimmer-Puchinger
Univ. Prof. Dr., Klinische -und Gesundheitspsychologin, Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien, Autorin zahlreicher Frauengesundheitsberichte, Gründungsmitglied der ÖGPGG
Marietta Zeug
Dr.phil., Klinische Psychologin, Psychoanalytikerin in freier Praxis, Arbeit mit Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen, 23 Jahre Mitarbeit an der Childguidance Clinic in Wien, Supervision von multiprofessionellen Teams in Spitälern, diverse Publikationen.
