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Krankenhaus St. Josef Braunau – Vorreiter in MH-Kinaesthetics
Im Rahmen eines Festaktes wurde am 27. April das Krankenhaus St. Josef Braunau nach MH-Kinaesthetics zertifiziert. Damit ist das Braunauer Spital das erste Krankenhaus in Oberösterreich und das dritte in Österreich, das eine derartige Qualitätsauszeichnung für Gesundheitserhaltung und Gesundheitsentwicklung der Mitarbeiter und Patienten bekommen hat. Seit 12 Jahren gehört MH-Kinaesthetics zur fixen innerbetrieblichen Fortbildung in Braunau, in der Zwischenzeit haben 300 MitarbeiterInnen aus dem Pflegebereich den Grundkurs absolviert, 90 einen weiterführenden Aufbaukurs, 14 sind schon zertifizierte Anwender und seit kurzem gibt es sogar eine hauseigene ausgebildete MH-Kinaesthetics-Trainerin.
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Dr. Lenny Maietta und Dr. Frank Hatch, die Begründer von MH-Kinaesthetics, kamen zur Zertifizierung persönlich nach Braunau, um das Diplom zu überreichen. v.l.: Geschäftsführer Erwin Windischbauer, Pflegedirektorin Sandra Kaufmann, Lenny Maietta, Frank Hatch, Sr. Oberin Gisela Wiesinger |
Was ist MH-Kinaesthetics?
MH-Kinaesthetics ist weder eine Technik noch schnell erlernbar. Es handelt sich dabei um ein auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhendes Handlungs-Bewegungsmodell aus der Verhaltenskybernetik. Diese Bewegungskompetenz zu erlernen unterliegt einer prozesshaften Schulung und Betreuung.
Im Vordergrund steht immer ein handlungsbezogenes Menschenbild, das geprägt ist Bewegungsunterstützungen so zu gestalten, dass der betroffene Mensch gemäß seiner Fähigkeiten aktiv teilnehmen bzw. folgen kann. Nachvollziehbare Alltagsbewegungen stehen dabei im Vordergrund im Gegensatz zu Heben und Tragen. Die Gesundheit der MitarbeiterInnen in Bezug auf Reduzierung von Verletzungen am Bewegungsapparat wie auch die frühestmögliche Bewegungsförderung der Patienten zur baldmöglichen Selbstkontrolle ihrer Eigenbewegung (Gesundheitsentwicklung und Autonomie) sind dabei die vorrangigen Ziele bei der Anwendung der MH-Kinaesthetics Prinzipien innerhalb der Krankenhausorganisation.
Für die Pflegekräfte bedeutet das Modell zuerst einmal eine hohe Empfindlichkeit für eigene Bewegungen zu bekommen. Erst wenn man Bewegungen, und wie sie sich auswirken, am eigenen Leib erfährt, kann man neue Bewegungsmuster an Patienten weitergeben. Und so bringt MH-Kinaesthetics große Vorteile für MitarbeiterInnen und PatientInnen gleichzeitig. Durch das bessere Verständnis der Eigenbewegung wird die Muskulatur entlastet, was wiederum positive Einflüsse auf viele innere Körperaktivitäten (Blutkreislauf, Verdauung, Lymphabflussformen) hat. Die neue Bewegung bringt Entlastung für Körper und Psyche im wahrsten Sinn des Wortes. MH-Kinaesthetics ist eine lebenslange Gesundheitsentwicklung, es ist der „immer neu bewegte Mensch“. Die Zahl der Krankheitsausfälle bei MitarbeiterInnen geht zurück, Arbeitsqualität steigt. Gesundheitsförderung, -erhaltung und -entwicklung, Vorbeugung: all das bringt nachhaltig gesündere und zufriedenere MitarbeiterInnen. Und damit auch besser betreute PatientInnen. Und MH-Kinaesthetics endet nicht bei der Krankenhaustür, sondern ist auch in allen Bereichen des Alltags gut anwendbar.
Was bringt MH-Kinaesthetics den Patienten?
Patienten werden durch das neue Bewegungsmodell schneller aktiv und mobil, sie werden in den Genesungsprozess mit eingebunden. „Mit-bewegen“ heißt die Devise. Die noch vorhandenen Ressourcen beim Patienten werden bestmöglich geweckt, die Pflegequalität steigt, dem Patienten wird mehr Zeit gewidmet. Der Patient wird wieder selbsttätig und damit bekommt er auch mehr Selbstständigkeit, mehr Lebensfreude und Autonomie. Patienten können wieder selber essen und trinken, sind nicht mehr bettlägerig, der Medikamentenverbrauch geht deutlich zurück. Egal ob beim Umlagern im Krankenbett oder auf den OP-Tisch, beim Hinsetzen auf einen Stuhl, beim Duschen, egal ob in einer Krankenhausabteilung oder in der Akutgeriatrie, ja sogar bei Babys: der Patient fühlt sich besser, ist schmerzfreier, weil alle Handlungs- und Bewegungsvorgänge optimiert sind. Und weil das Krankenhaus St. Josef ein Vorreiterkrankenhaus ist, sollen dort in Zukunft auch Therapeuten, Labor-, Reinigungs- und Küchenpersonal „bewegt“ werden zur neuen Bewegungskultur, und damit zu mehr Gesundheit.

