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Schmerz muss nicht sein im Krankenhaus

Krankenhausstudien zeigen, dass fast jeder zweite Patient in einem Krankenhaus über starke Schmerzen nach Operationen klagt. Solche Fakten nimmt man am Krankenhaus St. Josef in Braunau nicht als gottgegeben hin: Dr. Andreas Rutherford, Anästhesie-Primar am Krankenhaus St. Josef Braunau, ist zuständig für die Schmerzfreiheit der Patienten nach Operationen. Prim. Rutherford: „Die standardisierte Schmerztherapie soll vor allem die Qualität der Schmerzbehandlung nach Operationen optimieren, so dass im Idealfall der Patient nach einem Eingriff keine Schmerzen hat.“ Und mit dem besagten Projekt, gestartet auf der Kinderabteilung, ist man in Braunau durchaus am Puls der Zeit. Befragungen zeigen ganz klar, dass die größte Angst von Patienten die vor den Schmerzen nach der Operation ist.
Zusätzlich besteht nach Operationen die Gefahr chronischer Schmerzerkrankungen. So kommt es etwa bei Brustoperationen bei 30 Prozent der Operierten zu einer Chronifizierung, sofern postoperative Schmerzen nicht ausreichend und rechtzeitig behandelt werden.

In der Praxis ist also eine exakte, standardisierte Definierung des Verhältnisses Operation und postoperativer Schmerz notwendig. Schon im Vorfeld soll klar erkennbar sein, welcher Eingriff welche Schmerzen mit sich bringen wird. Doch was hier relativ einfach klingt, birgt in der Phase der Entwicklung auch so manche Schwierigkeit. Prim. Rutherford: „Die Herausforderung liegt vor allem darin, die stets subjektiv erlebten Schmerzen der Patienten auch objektiv erfassen zu können.“

Zum Schmerzmanagement gehört, dass Patienten genau aufgeklärt werden. Denn wichtig ist auch, dass der Start der Schmerztherapie nicht erst nach dem Klagen der Patienten über Beschwerden beginnt. Der Patient soll sich also bei Schmerzen sofort melden und nicht erst dann, wenn sie für ihn unerträglich werden. Die Devise „Zähne zusammenbeißen“ ist bei der Schmerzbekämpfung kontraproduktiv.

Schmerzen müssen regelmäßig wie Blutdruck und Fieber gemessen werden, um zu wissen wie viel Schmerzmittel ein Patient braucht. Das Um und Auf einer guten Schmerzbekämpfung nach einer Operation ist ein individuelles und maßgeschneidertes Optimierungskonzept, wann wieviel von welchem Schmerzmittel gegeben wird. Auf einer Schmerzskala wird festgestellt, wie stark bei einer Operation durchschnittlich die Schmerzen sind. Damit kann im Nachhinein sehr gezielt mit Schmerzbekämpfung begonnen werden bzw. der Schmerz so niedrig wie möglich gehalten werden. So viel Schmerzmittel wie nötig und so wenig wie möglich, ist die Devise, die durch diese schmerztherapeutische Einzelbetreuung erreichbar ist. Ein professionelles Schmerzmanagement in einem Krankenhaus muss natürlich fach- und berufsgruppenübergreifend vor sich gehen.

Im Krankenhaus St. Josef Braunau hat man jetzt als Pilotprojekt beim professionellen Schmerzmanagement in der Kinderabteilung begonnen. Dort wird daher jede Operation, ob nun etwa Blinddarm- oder Mandeloperationen, nach leichten, mittleren oder schweren postoperativen Schmerzen eingeteilt. Anhand dieser Parameter kommt dann in weiterer Folge ein zuvor festgelegtes Schmerztherapie-Schema zur Anwendung. In der Genesungsphase kommen dann neben der Medikation spezielle Schmerzskalen zur Anwendung. Im Fall der kleinen Patienten in Braunau gibt eine „Smiley-Skala“ Aufschluss über das Wohlbefinden nach der Operation. Die Smileys zeigen lachende oder traurige Gesichter, und die kleinen Patienten können ihr Wohlbefinden dementsprechend zuordnen.

Bei Erwachsenen wird zur Feststellung der Schmerzintensität und -qualität eine visuelle Analogskala verwendet. Dem Patienten wird eine 10 cm lange Linie vorgelegt, an deren einem Ende das Kriterium „keine Schmerzen“, an dem anderen Ende das Kriterium „unerträglicher Schmerz“ angegeben ist. Der Patient muss nur mit einem Bleistift zwischen diesen Extremen auf der Linie die Stärke seiner Schmerzen eintragen.

Die Vorteile einer professionellen Schmerztherapie im Krankenhaus sind für alle Patienten enorm. Betroffene müssen nach Operationen keine unnötigen Schmerzen mehr ertragen. Dies wirkt sich sehr positiv auf die Heilungsphase aus und auch die Verweildauer im Krankenhaus wird im Idealfall deutlich verringert. Eine adäquate Schmerztherapie senkt aber nicht nur die Morbidität, sondern auch die Mortalität, sie trägt vor allem zu einer großen Patientenzufriedenheit bei. Denn starke postoperative Schmerzen sind oft sehr hinderlich beim Heilungsverlauf. „Schmerz, lass nach“, das ist also für den Patienten nicht nur ein berechtigter Wunsch, sondern medizinisch gesehen ein entscheidender Faktor für eine gute Genesung.

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