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Sanft und sicher aus der Narkose mit Neuromuskulärem Monitoring
Stellen sie sich vor, Sie erlangen nach einer erfolgreich durchgeführten Operation unter Vollnarkose im Aufwachzimmer das Bewusstsein wieder, merken aber plötzlich, dass der Atemmuskel sich noch im „Tiefschlaf“ befindet. Ein Horror-Szenario, das dann eintreten kann, wenn die Wirkung der - im Zuge der Anästhesie verabreichten - Muskelrelaxanzien auch nach dem Eingriff noch entsprechend weiterwirken und parallel dazu aber die Aufwachphase eingeleitet wird. Im Krankenhaus St. Josef in Braunau kann man solch eine heikle Situation ab sofort im Vorfeld ausschließen. Alle sechs Operationssäle wurden jetzt mit einem speziellen Gerät für ein so genanntes Neuromuskuläres Monitoring (NMM) ausgestattet.
„Im Rahmen einer Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) werden zur Verbesserung der Bedingungen zur endotrachealen Intubation oder um Operationen, zu ermöglichen, Muskelrelaxanzien verabreicht. Diese blockieren eine bestimmte Zeit die ACh-Rezeptoren an der Muskelzelle, so dass eine Signalübertragung nicht mehr möglich ist. Der Muskel erschlafft, und es kommt zu einer gewollten neuromuskulären Blockade“, erläutert Prim. Dr. Andreas Rutherford, Leiter der Braunauer Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin. Zur Überwachung dieser gewollten Blockade dient die Relaxometrie (Neuromuskuläres Monitoring). „Diese ermöglicht es, den Bedarf an Muskelrelaxanzien individuell an den Patienten anzupassen, optimale Operationsbedingungen zu gewährleisten und gleichzeitig die Wirkdauer möglichst genau zu begrenzen“, so Rutherford.
Bei der Relaxometrie wird über zwei aufgeklebte Elektroden durch die Haut ein peripherer Nerv stimuliert und die Antwort des entsprechenden Muskels gemessen. „Bisher konnte man dies nur durch entsprechende äußere Beobachtungen kontrollieren“, erklärt Rutherford. Dass Neuromuskuläres Monitoring in den österreichischen OP-Sälen durchaus noch ein Minderheitenprogramm und Braunau absoluter Vorreiter ist, davon zeugt eine bundesweite Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) aus dem Jahr 2007.
Der große Vorteil für den Patienten liegt klar auf der Hand. Primar Rutherford: „Sie können in aller Ruhe aus der Narkose erwachen und haben nicht im schlimmsten Fall plötzlich das Gefühl zu ersticken. Denn das ist tatsächlich ein Alptraum: Sie sind bei Bewusstsein, der Atemmuskel ist es aber nicht – und Sie können sich auch nicht artikulieren.“
