AKTUELLES
Franziskanisches Frühjahrssymposium St. Josef Braunau
Samstag, 18. April 2009, 9.00 – 12.30 Uhr
Vitalhotel – Therme Geinberg
Bluthochdruck - erkennen – behandeln – vorbeugen
Aktuelle Trends in der Diagnostik und Therapie des Bluthochdrucks
Jeder vierte Österreicher (ca. 1,5 bis 2 Millionen Menschen) leidet an Bluthochdruck. Tendenz leider steigend, so wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eine wahre „Schlaganfallepidemie“ kommen, die auf erhöhten Blutdruck zurückzuführen ist. Auch die therapierten Hypertoniker sind aber oft leider sehr schlecht eingestellt, nur maximal zehn Prozent von ihnen (zwischen 100.000 und 200.000 Österreicher) erreichen einen optimalen Wert. Anders gesagt: 90 Prozent der Hypertoniker erreichen nicht die Zielwerte. Dabei könnte Bluthochdruck exzellent behandelt werden. Die Bilanz ist jedoch ernüchternd, es wird zu wenig diagnostiziert und zu wenig behandelt. Bluthochdruck ist jedenfalls der Killer Nummer 1 in den westlichen Zivilisationsgesellschaften. Die Folgen sind dramatisch: 20 Prozent aller Bluthochdruckpatienten erleiden einen Schlaganfall, 15 Prozent einen Herzinfarkt und 10 Prozent eine Niereninsuffizienz. 75 Prozent der Patienten, die eine Stentimplantation zur Aufdehnung der verschlossenen Herzkranzgefäße benötigen, sind ebenfalls Hypertoniker. Dabei könnte man mit richtig eingestelltem Blutdruck den Schlaganfall um 40 Prozent, die Herzschwäche um 50 Prozent und den Herzinfarkt um 25 Prozent reduzieren.
Gewichtsreduktion statt Tabletten
Neueste Studien zeigen eine Fülle von Möglichkeiten Blutdruck gut zu senken, wobei aber vielfach überkommene Vorstellungen überwunden werden müssen. Die Basis einer Blutdruckeinstellung ist eine „Lebensstiländerung“. Eine Gewichtsreduktion von 10 Kilo bringt etwa eine Verminderung des systolischen Blutdrucks um 25 mmg und eine um 5 Kilo bedeutet immer noch ein Minus von 10 mmg. Auch regelmäßiger Ausdauersport und Verzicht auf zu viel Fett und Salz beim Essen und mehr Früchte und Gemüse bringen jeweils ähnliche Reduktionen. Wichtig ist aber auch das Augenmerk auf die Psyche zu lenken. So beeinflussen mehr Bewegung und Fitness das vegetative Nervensystem positiv und senken den Blutdruck. Denn Stress, unverarbeiteter Ärger, Depressionen und Schmerz sind ebenfall oft mit verursachend für die Entstehung von Bluthochdruck. Vor allem Menschen mit erhöhter Angstbereitschaft sind hier oft mehr betroffen, wobei es aber nach neuesten Studien keine „psychische Bluthochdruckpersönlichkeit“ gibt. Gut sind Entspannungstechniken, Ärgermanagement und Stressbewältigungsprogramme.
Die „beste Blutdrucktablette“ gibt es nicht
Der optimale Blutdruck wird mit 120/80 angegeben. Das Festlegen eines Zielblutdrucks ist jedoch sehr abhängig von den individuellen Faktoren eines Menschen und vom gehäuften Auftreten mehrerer Risikofaktoren gleichzeitig wie Rauchen, erhöhtes Cholesterin oder Diabetes. Der neueste Trend in der Behandlung von Bluthochdruck geht jedenfalls hin zu einer individuellen Einstellung des Patienten, ein allgemeines Über-einen-Kamm-Scheren gibt es nicht mehr. Und auch Patienten im hohen Alter sollen eine adäquate Blutdruckbehandlung haben. Die Vorstellung, dass ein idealer Blutdruck im Alter 100 + Lebensalter ist, gehört ebenfalls der Vergangenheit an. Der ideale Blutdruck für etwa 80-Jährige ist 150/80. Und es gibt auch nicht „die beste Blutdrucktablette“, sondern das jeweilige Medikament ist wieder ganz individuell für den Patienten zu finden. Wobei die neuesten medizinischen Empfehlungen zu einer Kombinationsgabe von verschiedenen Blutdruckmedikamententypen gehen. Und zwar sollte diese Kombination von modernen Blutdrucktabletten schon möglichst frühzeitig bei Beginn einer Behandlung stehen, das Verschreiben von nur einem Blutdruckmedikament und das Ausreizen von diesem entspricht meist nicht mehr den modernen Erkenntnissen. Einen totalen Wechsel gibt es auch in der Bewertung des sogenannten ersten Blutdruckwertes, des systolischen, und des zweiten, des diastolischen. Hielt man früher einen erhöhten zweiten Wert für einen besonders hohen Risikofaktor, so ist es heute genau umgekehrt. Denn 76 Prozent des mit Bluthochdruck assoziierten Risikos ist auf einen erhöhten systolischen Blutdruck und nur 24% auf einen erhöhten diastolischen Blutdruck zurückzuführen.
Blutdruck und Schwangerschaft
Neue Erkenntnisse gibt es auch für die Zeit der Schwangerschaft. So ist die Empfehlung während der Schwangerschaft salzarme Nahrung zur Vermeidung von Bluthochdruck zu bevorzugen, heute nicht mehr aktuell. Ganz im Gegenteil: die Reduktion von Salz während der Schwangerschaft verschlechtert nämlich die Situation des heranwachsenden Kindes. Und auch ein möglichst niedriger Blutdruck während der Schwangerschaft ist heute kein Thema mehr, auch erhöhter Blutdruck in dieser Zeit wird toleriert, muss jedoch vom Arzt engmaschig überprüft werden. Erst ein Blutdruck von 160 oder 170/100 ist ein ernstes Alarmzeichen, hier muss sofort medikamentös therapiert werden, unter Umständen auch im Krankenhaus. Und werdende Mütter sind dringend darauf hinzuweisen, dass plötzliche starke Kopfschmerzen, undeutliches Sehen, Blitze vor den Augen, plötzliche Wasseransammlung in den Beinen und starke Bauchschmerzen im rechten Oberbauch auf gefährlich erhöhte Blutdruckwerte hinweisen können. Und diese können bei der Mutter bis zum Tod oder zu starken Blutungen währen der Geburt führen, stark erhöhter Blutdruck ist aber auch ein häufiger Faktor für Frühgeburten, Wachstumsverzögerungen des Kindes und die Lösung der Plazenta, was zu einer Minderversorgung des Kindes führt.
Moderne Medikamente senken aber nicht nur den Blutdruck, sondern sie schützen auch langfristig die Gefäße, wodurch auch Herzschwäche und Vorhofflimmern verhindert werden können. Viel Augenmerk legt die moderne Blutdrucktherapie auch auf 24-Stunden Blutdruckmonitoring. Dieses ist bedeutend aussagekräftiger als punktuelle Messungen mit dem Blutdruckmessgerät. Vor allem die nächtliche Hypertonie, die bis zu 30 Prozent der Blutdruckpatienten haben, ermöglicht eine viel bessere Prognoseabschätzung.
Bluthochdruck darf auf jeden Fall nicht verdrängt werden, denn die Langzeitfolgen sind in jedem Fall sehr negativ.

Referenten v.l.:
Prim. Univ. Doz. Dr. Johann Auer,
Abteilung für Innere Medizin 1 mit Kardiologie und Intensivmedizin, Europaklinikum
Braunau/Simbach – Krankenhaus St. Josef Braunau/Kreiskrankenhaus Simbach
Prim. Dr. Gottfried Hasenöhrl,
Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, Krankenhaus St. Josef Braunau
Mag. Ursula Klugger,
Klinische Psychologie, Krankenhaus St. Josef Braunau
OA. Univ.Doz. Dr. Hans-Peter Haring,
Abteilung für Neurologie, Landesnervenklinik Wagner Jauregg Linz
Univ. Prof. Dr. Robert Zweiker,
Abteilung für Kardiologie, Medizinische Universität Graz
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