UROLOGIE
Unfreiwilliger Harnverlust (Inkontinenz)
Unfreiwilliger Harnverlust ("Harninkontinenz"), im Volksmund oft als Blasenschwäche bezeichnet, ist ein weit verbreitetes Leiden. Schätzungen gehen davon aus, dass jede 4. Frau und jeder 10. Mann im Laufe des Lebens von diesem Problem betroffen ist. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an unfreiwilligem Harnverlust oder Schwierigkeiten bei der Blasenentleerung zu leiden.
Und doch spricht kaum jemand über Inkontinenz. Viele Betroffene ziehen sich aus Angst, ihr Problem könnte in der öffentlichkeit, im Freundeskreis oder in der Familie bemerkt werden, zurück und vereinsamen.
Unfreiwilliger Harnverlust kann viele Ursachen haben, viele davon lassen sich beheben. Entzündungen, hormonelle Veränderungen bzw. Hormonmangel oder vergrößerte Prostata, aber auch Medikamente können die Ursache dafür sein bzw. die Beschwerden verstärken. Ebenso kann es nach einer Schwangerschaft durch eine Schwächung der Beckenbodenmuskulatur zu unfreiwilligem Harnverlust kommen. Die oft gehörte Meinung, dass "Blasenschwäche im Alter" unabwendbar ist und dass man dagegen nichts tun kann, ist falsch.
Der Arztbesuch ist ein erster wichtiger Schritt, um die Ursachen der Inkontinenz zu erkennen und wirksame therapeutische Maßnahmen setzen zu können.
Ein ausführliches Gespräch mit dem Facharzt über die Miktionsgewohnheiten und die Umstände des Harnverlustes und die Erhebung eines Harnbefundes zeigen schon oft Hinweise über die Art des Leidens und macht auch in vielen Fällen schon eine Behandlung möglich. Benötigt der Arzt mehr Information, so ist es manchmal notwendig, eine schriftliche Aufzeichnung der Toilettengänge (Miktionsprotokoll) zu führen. Weitergehende Untersuchungen wie Blasenspiegelung (Cystoskopie), Röntgenuntersuchung der Harnblase und Blaseninnendruckmessung (Urodynamische Untersuchung) sind meist nur bei unklaren Fällen oder vor einer operativen Behandlung notwendig.
Zur Behandlung stehen bei leichten Formen des unfreiwilligen Harnverlustes als erstes konservative Möglichkeiten, entweder mit Medikamenten oder mit Physiotherapie (Beckenbodengymnastik), zur Verfügung.
Für schwere Formen der Inkontinenz und für spezielle Fälle kann auch ein operatives Behandlungsverfahren notwendig sein, wobei bei uns auch das TVT-Verfahren durchgeführt wird.
Dabei wird die Harnröhre durch ein Kunststoffband angehoben und so der Verschlussmechanismus unterstützt.
